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Wo bleiben die Frauen?

von Hansueli von Gunten • 17 August 2015

Bei den Basiskursen im Rechnungswesen ist der Frauenanteil relativ hoch. Doch je weiter fortgeschritten die Ausbildungskurse im Rechnungswesen und Controlling sind, desto weniger Frauen trifft man an. Woran liegt dies? Und: Kann dies verbessert werden?

Wo bleiben die Frauen? Je weiter fortgeschritten die Ausbildungskurse im Rechnungswesen und Controlling sind, desto weniger Frauen trifft man an.Wo bleiben die Frauen? Je weiter fortgeschritten die Ausbildungskurse im Rechnungswesen und Controlling sind, desto weniger Frauen trifft man an.

In den drei klassischen Ausbildungsstufen im Finanz- und Rechnungswesen ist der Frauenanteil sehr unterschiedlich: bei der Ausbildung zur Sachbearbeiter/in Rechnungswesen sind es 80 Prozent, den Fachausweis im Finanz- und Rechnungswesen nehmen 60 Prozent in Angriff und die Expertin in Rechnungslegung und Controlling gerade noch 35 Prozent.

Woran liegt es, dass bei der höchsten Ausbildung im Rechnungswesen der Frauenanteil so stark abnimmt?

«Sachbearbeiterin Rechnungswesen» ist zu einer Art «Frauenausbildung» geworden. Das ist in dieser Hinsicht verständlich, als dass viele Frauen planen, nach der Mutterschaft wieder in den Beruf einzusteigen. Sachbearbeiterin Rechnungswesen ist eine ideale Ausbildung, um später im Bereich Rechnungswesen Fuss zu fassen. Auch der Fachausweis im Finanz- und Rechnungswesen zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Frauen aus. Dabei nehmen die weiblichen Absolventen vor allem den klassischen Ausbildungsweg über die KV-Lehre, oder allenfalls auch über die «Sachbearbeiterin Rechnungswesen», und hängen den Fachausweis an.

Aber dann hört es auf. Nur wenige Frauen nehmen die Ausbildung zur Expertin in Rechnungslegung und Controlling in Angriff. Ich höre von vielen Frauen mehrere Argumente für diese Tatsache:

Es ist auch ein gesellschaftliches Phänomen: In der Schweiz herrscht noch stark die klassische Lebens- und Arbeitsteilung vor. Die berufliche Karriere der Frau steht bei vielen noch immer nicht im Vordergrund.

Bitter nötig: Bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie

Die Lösung wäre es, den Frauen mehr Perspektiven zu geben in Richtung Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei müssen die Frauen auch bereit sein, aus den klassischen herkömmlichen Rollenverteilungsmustern auszubrechen.

Nicht zu übersehen ist, dass schon einiges in diese Richtung geschehen ist. Als ich 1987 die Klassen der damaligen Ausbildung zum Buchhalter/Controller unterrichtete, lag der Frauenanteil bei fünf bis zehn Prozent. Und ich stelle fest, dass dieser laufend steigt. So haben wir an der Controller Akademie in Zürich eine Intensivklasse, welche die Ausbildung in drei Semestern (statt fünf) anbietet. Der Frauenanteil ist dort schon bei 70 Prozent.

Interessant ist auch, dass bei allen drei Ausbildungen im Controlling/Rechnungswesen die Frauen immer an der Spitze der besten Absolventinnen und Absolventen sind – von Ausnahmen einmal abgesehen.

Die Entwicklung weckt Hoffnungen. Schauen wir in fünf Jahren wieder.

Zur Person
Hansueli von Gunten, lic. rer. pol., dipl. Handelslehrer, ist Geschäftsleiter der Controller Akademie in Zürich und Bern. Er ist erfahrener Referent im Rechnungswesen, insbesondere in der Konzernrechnung, und Mitglied der Prüfungskommission «Höhere Prüfungen für Fachleute im Rechnungswesen und Controlling» sowie Autor von eidgenössischen Prüfungsaufgaben. Von Gunten bloggt regelmässig für Careerplus.

 

August 2015

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Frauen Karriere Frauenanteil

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