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Wie wir die Höhere Berufsbildung aufwerten könnten

von Hansueli von Gunten • 14 November 2014

Im letzten Blog vom Oktober habe ich über die Bedeutung der Höheren Berufsbildung in der Schweiz geschrieben – und kam zum Schluss, dass sie unentbehrlich ist. Doch wie kann sie aufgewertet werden? Und sind neue Titel sinnvoll?

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Der Kaufmännische Verband Schweiz hat bei den Absolventinnen und Absolventen der Höheren Berufsbildung eine Umfrage gemacht und über 4000 Rückmeldungen erhalten. Als Hauptmotive, warum man eine Weiterbildung macht, wurden die Erhöhung der Arbeitsmarktchancen und die persönliche Weiterentwicklung genannt. Die Umfrage zeigte, dass die Unterstützung seitens des Arbeitgebers zentral ist. Dabei werden Frauen weniger unterstützt als Männer, und Grossbetriebe sind deutlich grosszügiger bezüglich Weiterbildungen als KMU-Betriebe.

Daneben gibt es meines Erachtens aber auch weitere Faktoren, welche einen Beitrag zur unbedingt notwendigen Aufwertung der Höheren Berufsbildung leisten:

Finanzielle Unterstützung ist nötig!

Die öffentliche Hand muss Absolventinnen und Absolventen eines Vorbereitungskurses für eine eidgenössische Berufs- und Höhere Fachprüfung finanziell unterstützen. Die Beiträge sollten dabei den Absolvierenden direkt ausgezahlt werden. Der Bund ist bereit, jährlich hundert Millionen Franken mehr für die Höhere Berufsbildung auszugeben, um das neue Finanzierungssystem einführen zu können.

Ja zu neuen Titeln wie «Professional Bachelor» und «Professional Master»!

Momentan ist es in Fachkreisen umstritten, ob zusätzliche Titel wie «Professional Bachelor» und «Professional Master» sinnvoll wären. In der oben erwähnten Umfrage erwarten rund 87 Prozent der Befragten von diesen Titeln eine Stärkung der Höheren Berufsbildung im internationalen Vergleich. 43 Prozent befürworten sogar deren Einführung, 32 Prozent sind unentschlossen, und nur 25 Prozent lehnen sie ab.

Die Einführung der Titel «Professional Bachelor» und «Professional Master» – als Ergänzung zum «Diplom» und «Fachausweis» – wäre wichtig. Denn gerade in grossen internationalen Unternehmen und Konzernen entscheiden bei der Rekrutierung vermehrt HR-Leute über die eingereichten Bewerbungen. Da es dabei oft schnell gehen muss und die ausländischen HR-Leute wenig Ahnung vom Schweizer Bildungssystem haben, sind vor allem die Titel der Berufsbildung ausschlaggebend. (Siehe auch Blog vom Oktober.)

Aus diesem Grund befürworte ich die Einführung der zusätzlichen Titel «Professional Bachelor» für den Fachausweis und «Professional Master» für das Diplom – als jeweils englischsprachige Variante der bestehenden Bezeichnung. Es gibt keine anderen und besseren Vorschläge. Leider haben Bundesrat und Ständerat die Einführung dieser Titel abgelehnt.

Der Nationale Qualifikationsrahmen als Lösung?

Mit dem Instrument des Nationalen Qualifikationsrahmens, der nun erarbeitet wird, soll es künftig möglich sein, dass unsere Berufsbildungsabschlüsse national wie international transparent und verständlich dargestellt werden können. Acht Ausbildungsstufen sollen für die berufliche Ausbildung gelten. So hat es der Bundesrat beschlossen und die Verordnung per 1. Oktober 2014 in Kraft gesetzt. Ob sich dieser Nationale Qualifikationsrahmen durchsetzt, steht in den Sternen. Ob die Leute diese mehrseitigen Papiere lesen, ist ungewiss. Einige meinen auch, dieser Qualifikationsrahmen sei kompliziert, nicht etabliert, ein Schreibtischmodell der Bildungsbürokraten.

Bedeutung der Höheren Berufsbildung in der Schweiz

Zur Person

Hansueli von Gunten, lic. rer. pol., dipl. Handelslehrer, ist Geschäftsleiter der Controller Akademie in Zürich und Bern. Er ist erfahrener Referent im Rechnungswesen, insbesondere in der Konzernrechnung, und Mitglied der Prüfungskommission «Höhere Prüfungen für Fachleute im Rechnungswesen und Controlling» sowie Autor von eidgenössischen Prüfungsaufgaben. Von Gunten bloggt regelmässig für Careerplus.

 

November 2014

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Für Arbeitnehmer