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20 Jahre Mehrwertsteuer und Abrechnung Privatanteile

von Gastautor • 25 September 2014

Vor 20 Jahren heftig umstritten, ist sie heute für den Bund unverzichtbar: die Mehrwertsteuer (MWST). An den Finanz Clubs von Careerplus referierte der Experte Uwe Mehrwald zum aktuellen Thema. Nach einem Rückblick auf die letzten 20 Jahre MWST sensibilisierte er die Zuhörer für die korrekte Abrechnung. Lesen Sie hier seinen Fachbeitrag.

20 Jahre Mehrwertsteuer und Privatanteile20 Jahre Mehrwertsteuer und Privatanteile

Die Mehrwertsteuer (MWST) wurde 1995 als Ersatz der Warenumsatzsteuer (WUST) eingeführt. Als Verbrauchssteuer wird die MWST auf den Endkonsumenten – also auf uns alle – abgewälzt. Wir zahlen sie über unsere Einkäufe von Sachen (wie Kleider, Lebensmittel etc.) und Dienstleistungen (wie der Besuch beim Coiffeur, beim Anwalt oder im Restaurant). Vor der Einführung vor 20 Jahren war die MWST aber sehr umstritten. Erst nach drei erfolglosen Abstimmungen hat sie das Volk 1993 angenommen. In Kraft trat die MWST per 1.1.1995. Da es keinen Erfahrungswert zur MWST in der Schweiz gab, musste die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) die Praxis zur MWST in Form zusätzlicher Praxispublikationen anpassen und ergänzen. Sie tat dies auf der Basis von Besprechungen und Verfahren mit den steuerpflichtigen Personen und der Rechtsprechung der Gerichte.

Die neue Mehrwertsteuer

Nach 15 Jahren mit mehrheitlich positiven Erfahrungen mit der «alten» MWST wurde per 1.1.2010 das neue MWSTG in Kraft gesetzt. Gewisse Bereiche der neuen MWST sind aber bis heute nicht gelöst, wie beispielsweise die Definition «Unternehmerische Tätigkeit». Dazu existiert ein «interessantes» Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Nr. A-5017/2013), das nicht rechtskräftig ist und durch die ESTV an das Bundesgericht weitergezogen wird (siehe Link unten). Zudem stimmt das Volk am Wochenende vom 28. September 2014 über die Gastrosuisse-Initiative ab. Also über den Steuersatz bei gastgewerblichen Leistungen. Die Initianten sprechen von einer «Diskriminierung des Gastgewerbes». Derzeit läuft die Vernehmlassung zur Teilrevision des MWSTG, die voraussichtlich per 1.1.2016 in Kraft gesetzt wird.

Formvorschriften Rechnung

Die Formvorschriften zur Rechnung (vgl. dazu Art. 26 MWSTG) wurden mit der Einführung des neuen MWSTG gelockert. Ein Vorsteuerabzug sollte möglich sein, auch wenn die MWST-Nr. (z.B. CHE-123.456.789 MWST) eines Lieferanten auf der Rechnung fehlt oder wenn noch die «alte» sechsstellige MWST-Nr. (z.B. 999 999) auf einer Quittung aufgeführt ist. Bedingung für den Vorsteuerabzug ist aber, dass der Steuersatz auf dem entsprechenden Beleg aufgeführt ist (Art. 28 Abs. 4 MWSTG).

Privatanteile richtig abrechnen

Aufgrund der MWST-Kontrollen, im Durchschnitt sind es 9000 Kontrollen pro Jahr, sind die «Privatanteile» immer wieder ein Thema. Denn werden fälschlicherweise private Lebenshaltungskosten als geschäftsmässig begründete Aufwendungen erfasst, stellt sich nicht die Frage nach der Erfassung eines Privatanteils, sondern nach der Verrechnung der privaten Lebenshaltungskosten als geldwerte Leistung. Solche Sachverhalte können steuerliche Folgen bei der MWST, bei den direkten Steuern, der Verrechnungssteuer und gegebenenfalls bei der AHV nach sich ziehen. Mit der Verbuchung der Privatanteile in der Jahresrechnung einer steuerpflichtigen Person wird die private Nutzung steuerlich erfasst, z.B. wenn ein Inhaber einer Firma sein Geschäftsauto privat nutzt. Für die Berechnung der Privatanteile existieren verschiedene Pauschalen, welche die ESTV festgelegt hat. Ein Privatanteil für die private Nutzung kann aber nur erfasst werden, wenn der Gegenstand überwiegend geschäftlich genutzt wird. Die Abrechnung der Privatanteile mit der MWST muss entweder als Vorsteuerkorrektur (als Eigenverbrauch) oder als Lieferungstatbestand (als Umsatz) abgerechnet werden.

Das müssen Sie beachten: Checkliste Privatanteile

Unter folgenden Links finden Sie die Präsentation von Uwe Mehrwald anlässlich der Finanz Clubs sowie den Bundesverwaltungsgerichtsentscheid vom 15. Juli 2014:

Präsentation Finanz Club (PDF - 953Kb)
Bundesverwaltungsgerichtsentscheid (PDF - 171Kb)

Zur Person

Uwe Mehrwald ist externer Prüfer der Hauptabteilung Mehrwertsteuer bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Als Experte in Rechnungslegung und Controlling sowie Mehrwertsteuer arbeitete er an Publikationen zum neuen MWSTG mit, beispielsweise zum neuen Rechnungslegungsrecht sowie zur dazugehörigen Mehrwertsteuer oder zur Praxis im Baugewerbe per 1.7.2013.

 

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