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Jubiläumsblog: Der Controller – vom Zahlenjongleur zum Strategen

von Careerplus • 18 Mai 2015

Unsere Berufe sahen vor 20 Jahren noch ganz anders aus. Das gilt auch für den Finanzbereich. So entwickelte sich zum Beispiel der Controller vom Herrscher über Zahlen zum Business Partner. Was genau hat sich verändert?

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Controller sind pedantische Erbsenzähler, langweilige Sparkommissare, fantasielose Zahlenherumschieber. Stets korrekt, meist gehemmt und wenig kommunikativ. Tatsächlich? Bei weitem nicht. Solche Vorurteile sind in der heutigen Zeit längst überholt. Im deutschsprachigen Raum erst in den sechziger Jahren aufgekommen, hat sich das Controlling binnen weniger Jahrzehnte zur unverzichtbaren Funktion gemausert, wobei sich die Aufgaben des Controllers stark verändert haben. Er ist nicht mehr «nur» für internes Rechnungswesen zuständig und unternehmenseigener Wirtschaftsprüfer, sondern übernimmt heute eine Steuerungsfunktion. Seine Aufgaben bestehen aus weit mehr als dem Bereitstellen von Zahlen und Berichten für das Management. Vielmehr ist er ein kompetenter Gesprächspartner, der analysiert, interpretiert und beurteilt. Er muss Tendenzen und Sachverhalte aus der Geschäftswelt und der Marktwirtschaft erkennen und von vornherein einplanen. Kurz: Der Controller ist heute ein interner Berater, der aktiven Einfluss auf den Geschäftsverlauf und den Unternehmenserfolg hat. Deshalb ist er häufig eine Stabstelle und keinem Geschäftsbereich mehr unterstellt. Voraussetzung dafür ist, dass er über Managementwissen sowie BWL-Kenntnisse verfügt.

Entwicklungsstufen der Controllerrolle

Professor Jürgen Weber (Direktor des Instituts für Management und Controlling an der WHU – Otto Beisheim School of Management) unterteilt die Entwicklung des Controllings in verschiedene Stufen: Ausgangspunkt ist der Controller als «Herr der Zahlen». Informationsproduktion, -hoheit und -vermittlung standen hierbei im Vordergrund seiner Aufgaben. Danach hatte sich der Controller zum Navigator oder Steuermann weiterentwickelt, der die Position eines Strategen mit umfassenden Markt- und Kundenkenntnissen innehatte. Die Rolle als Business Partner war der nächste Schritt. Dieser trieb das aktive Rollenverständnis des Controllers voran: Das Aufgabenspektrum wurde dabei beispielsweise hinsichtlich strategischer Projekte oder Organisationsthemen erweitert.

Was sind die Gründe?

Einerseits verläuft die Veränderung der Controllerrolle entlang der Entwicklung des Managers. So sorgen beispielsweise zunehmender Entscheidungsdruck, gestiegene Fähigkeiten zum Selbst-Controlling und ein hohes Arbeitspensum dafür, dass sich die Erwartungen der Manager an die Controller verschoben haben. Andererseits wirken Standardisierung, Automatisierung und Echtzeitverarbeitung von Daten als Treiber für die Rollenentwicklung. Ausserdem kamen neue Tools dazu, die den Controller dabei unterstützen, Geschäftsprozesse effizient zu managen. Nicht vergessen darf man zudem die Regulierungsbemühungen, die massiv zugenommen haben. Seit den Betrugsfällen von Parmalat und Enron ist dem Handlungsspielraum des Controllers ein enger Rahmen gesteckt. Der Controller trägt aber auch eine grössere Verantwortung. Der angemessene Umgang mit unternehmensspezifischen Risiken spielt vermehrt eine zentrale Rolle, sodass das interne Kontrollsystem über das reine Rechnungswesen hinausgeht und letztlich sämtliche Unternehmensbereiche tangiert.

Was hat sich nebst dem Rollenverständnis sonst noch gewandelt? Wir haben bei einem Experten nachgefragt, der es wissen muss: Hansueli von Gunten, Geschäftsleiter der Controller Akademie.

Herr von Gunten, hat sich tatsächlich so viel getan im Bereich Controlling?
Ja. Heute läuft alles schneller, der Druck ist gestiegen. Die Jahresrechnung muss zum Beispiel bereits Mitte Januar fertig sein, früher konnte man sich eher bis März Zeit lassen. Man fällte Entscheidungen auch eher einmal aus dem Bauch heraus, es gab weniger Auswertungen. Heute steuert und kontrolliert man ein Unternehmen viel genauer. Zu einer klareren Struktur haben auch die neuen Kontenpläne beigetragen. Ebenfalls zu einem Wandel führte das neue Rechnungslegungsrecht (siehe Blog vom 30. Januar). Daneben gab es natürlich auch technische Veränderungen wie den Computer. Wir arbeiteten damals mit ganz einfachen Programmen – hauptsächlich mit Excel. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Computer erinnern, das ist mehr als 20 Jahre her: eine riesige Kiste mit einem schwarzen Bildschirm und gelber Schrift.

Was war in Bezug auf die Aus- und Weiterbildung anders?
Heute schiessen die Weiterbildungen regelrecht aus dem Boden, vor 20 Jahren zählten wir nur die Hälfte der Angebote. Auch die Unterrichtsmethode hat sich verändert: Heute unterrichten wir weniger im Frontalunterricht. Ausserdem hatten wir als Dozenten vor 20 Jahren keinen Laptop, Beamer und dergleichen, sondern nur Folien und einen Hellraumprojektor.

Haben sich Ihre Schüler ebenfalls verändert?
Ich denke schon. Wir erleben, dass die Schüler heute zu Konsumenten geworden sind. Früher lernte man noch etwas fleissiger. Auch die Anforderungen in der Buchhaltung waren höher. Wenn ich die alten Prüfungsaufgaben anschaue, dann stelle ich fest, dass diese viel schwieriger waren als heute. Die Grundkenntnisse der Buchhaltung sind in den letzten Jahren gesunken, denn in der KV-Ausbildung legt man heute weniger Wert darauf. Ausserdem gab es eine Verschiebung in Richtung Fachhochschulen – deren Absolventen sind weniger spezifisch und praxisorientiert ausgebildet. Es sind mehr Generalisten.

Wie hat sich denn der Frauenanteil entwickelt?
Früher lag er bei den Buchhaltern bei ungefähr 20 bis 25 Prozent. Doch erfreulicherweise stieg er rasch an, und heute sind gut 60 Prozent unserer Schüler weiblich. Leider machen aber viele Frauen – vermutlich wegen der Familienplanung – nicht weiter im Bereich Controlling. Auf der Stufe Controller zählen wir nur noch knapp 30 Prozent Frauen.

Und was zeichnet heutzutage einen guten Controller aus?
Fremdsprachenkenntnisse werden immer wichtiger. Ausserdem muss der Controller heute offener und kommunikativer sein als früher. Denn heute arbeitet man viel mehr in Teams als vor 20 Jahren. Früher waren Controller eher introvertierte, fleissige Schaffer.

Danke fürs Gespräch, Herr von Gunten.

Zur Person:
Hansueli von Gunten, lic. rer. pol., dipl. Handelslehrer, ist Geschäftsleiter der Controller Akademie in Zürich und Bern Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften war er als Dozent in der Berufsausbildung tätig, später erlangte er das Handelslehrerdiplom. Nach verschiedenen Stationen als Lehrer an Berufsschulen wechselte er zur Erwachsenenbildung. Von Gunten ist erfahrener Referent im Rechnungswesen und bloggt regelmässig für Careerplus.

 

Mai 2015

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Controlling Controller Buchhaltung Stratege

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finanzen