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Die Betriebsabrechnung als Basis der Unternehmensführung

von Hansueli von Gunten • 9 Dezember 2016

Wenn neue Geschäftsideen scheitern, hat dies aus finanzieller Sicht oft zwei Hauptursachen: Das Finanzierungskonzept war ungenügend, oder das Geschäftsmodell wurde nicht fundiert genug durchdacht. Die Lösung: eine Betriebsabrechnung.

Die Betriebsabrechnung als Basis der UnternehmensführungDie Betriebsabrechnung als Basis der Unternehmensführung

Jedes Unternehmen sollte eine Betriebsabrechnung als Instrument zur finanziellen Führung einsetzen – unabhängig von Grösse oder Reifegrad, ob gewinnorientierte Firma oder Non-Profit- Organisation. Braucht es dazu ein integriertes Finanz- und Betriebsbuchhaltungssystem? Die Antwort in gut schweizerischer Manier: «Es kommt drauf an.» Die Frage nach dem unterstützenden System soll erst dann gestellt werden, wenn fundamentalere Fragen beantwortet sind.

Frage 1: Was ist das Leistungsprogramm des Unternehmens?

Die Erörterung dieser Frage muss zu Erkenntnissen bezüglich der Kostentreiber und Ertragsmechanismen führen. Wenn klar ist, welche Kosten aus welchen Gründen anfallen und ob sich diese leistungsabhängig verhalten, ist bereits eine wichtige Grundlage geschaffen worden. Nun gilt es noch, die Ertragsmechanismen mit der Kostenentstehung zu vergleichen: Können die Erträge als direkte Funktion der Kosten abgeleitet werden, oder folgt die Generierung von Ertrag einer Logik, die stärker an der Nutzenerwartung und Preisbereitschaft der Kunden orientiert ist?

Frage 2: Wie wird kalkuliert?

Jedem vernünftigen Verkaufsvorgang liegt ein – manchmal sehr rudimentärer – Kalkulationsvorgang zugrunde. Die Kalkulationsfrage muss also immer zuerst aus der Perspektive des Verkaufs gestellt werden. Die Antwort wird sodann mit den Erkenntnissen aus Frage 1 abgeglichen (Leistungsprogramm, Kostentreiber, Ertragsmechanismen). Offensichtliche Kalkulationsfehler oder zu ungenaue Kalkulationsverfahren müssen nun korrigiert werden. Ziel ist die Einheitlichkeit zwischen Vorkalkulationsverfahren (Verkauf) und Nachkalkulationsverfahren (Betriebsabrechnung). Bei diesem Ziel dürfen aus Sicht des Controllings keine Kompromisse oder Ungenauigkeiten toleriert werden.

Frage 3: Welche Funktionen tragen zum Wertschöpfungsprozess bei?

Diese Frage dient nicht nur einer einmaligen Standortbestimmung, sondern muss im Verlauf einer Unternehmensgeschichte immer wieder gestellt werden. Wertschöpfungsinhalte verändern sich und damit auch die Notwendigkeit und Angemessenheit von Unternehmensfunktionen. Deren Kosten müssen mit dem Wertschöpfungsbeitrag abgestimmt werden. Dies kann zum Ausbau, zur Restrukturierung oder gar zur Einstellung einer Funktion führen. Das Controlling stellt sicher, dass die Kosten von Unternehmensfunktionen in den Kalkulationsverfahren des Unternehmens berücksichtigt sind (Umlagen, Kostensätze, spezifische Deckungsbeitragsziele etc.).

Das «richtige» System

Wenn die fundamentalen Fragen beantwortet sind, lässt sich die Diskussion über das angemessene System der Finanz- und Betriebsbuchhaltung führen. Je grösser und komplexer ein Unternehmen ist, desto höher ist der Bedarf nach Führungsinformationen im Kosten- und Leistungscontrolling. Ergebnis- oder kostenverantwortliche Führungskräfte erwarten zeitnahe Auswertungen und Entscheidungsgrundlagen. Eine integrierte ERP-Lösung (Enterprise Resource Planning) mit klassischer Kostenträger- und Kostenstellenrechnung ist dann zu empfehlen. Bei KMU kann schon eine intelligent strukturierte Finanzbuchhaltung mit regelmässig abgestimmter Betriebsabrechnung auf Excel wirksame Unterstützung bieten. Cloud-basierte ERP-Applikationen (Software as a Service) bieten zudem gerade für KMU attraktive und kostengünstige Lösungen.

Die Frage, ob ein Unternehmen eine Betriebsabrechnung führen sollte, ist im Grunde genommen hinfällig. Jedes Unternehmen muss seine Kosten und Ertragsmechanismen kennen. Dazu müssen Schlüsselfragen beantwortet werden – nicht nur einmalig, sondern über den ganzen Verlauf einer Unternehmensgeschichte. Das «richtige» Betriebsabrechnungssystem ist dann nur noch eine Schlussfolgerung aus der Beantwortung dieser Fragen.

Zur Person
Hansueli von Gunten, lic. rer. pol., dipl. Handelslehrer, ist Geschäftsleiter der Controller Akademie in Zürich und Bern. Er ist erfahrener Referent im Rechnungswesen, insbesondere in der Konzernrechnung, und Mitglied der Prüfungskommission «Höhere Prüfungen für Fachleute im Rechnungswesen und Controlling» sowie Autor von eidgenössischen Prüfungsaufgaben. Von Gunten bloggt regelmässig für Careerplus.

Dezember 2016

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Betriebsabrechnung

Kategorien :
Expertise
Berufsgruppen :
finanzen