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Zwischenzeugnis - Das müssen Sie wissen

von Careerplus • 12 Juni 2018

In einem Zwischenzeugnis werden Ihre Arbeitsleistungen während einer aktuellen Beschäftigung schriftlich beurteilt. Wann dürfen Sie ein solches einfordern? Wie gehen Sie mit heiklen Nachfragen um? Und worauf sollten Sie inhaltlich achten? Fragen und Antworten zum Zwischenzeugnis.

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Ihr Stellenprofil hat sich verändert, oder Sie haben einen neuen Vorgesetzten? Ein Zwischenzeugnis hilft bei der Beurteilung vorhergehender Leistungen. Doch auch bei der Jobsuche ist die schriftliche Leistungsbeurteilung äusserst hilfreich. Doch gerade bei einem geplanten Stellenwechsel kann es ganz schön heikel sein, ein solches einzufordern. Wir verraten Ihnen, wie Sie richtig kommunizieren und was Sie tun können, wenn Ihnen das Zwischenzeugnis verweigert wird.

Wann darf und soll ich ein Zwischenzeugnis anfordern?

Gemäss Obligationenrecht (Art. 330a Abs. 1) kann ein Arbeitnehmer in der Schweiz jederzeit ein Arbeitszeugnis einfordern, «das sich über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über seine Leistungen und sein Verhalten ausspricht». Der Arbeitgeber ist also per Gesetz verpflichtet, Ihnen in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis ein Zwischenzeugnis und am Ende der Anstellung ein Abschlusszeugnis auszustellen. Trotz dieser gesetzlichen Verankerung, eine kleine Einschränkung besteht: Voraussetzung für den Anspruch auf ein Zwischenzeugnis ist ein sogenanntes «berechtigtes Interesse». Dieses gilt etwa bei einem Vorgesetztenwechsel, einem Wechsel der Funktion oder der Abteilung des Arbeitnehmers, bei Umstrukturierungen, einem geplanten Stellenwechsel oder bei Bedarf für Aus- und Weiterbildungen. Sind Sie beispielsweise lediglich an einer persönlichen Bestandsaufnahme interessiert, besteht kein berechtigtes Interesse: In solch einem Fall können Angestellte eine Mitarbeiterbeurteilung verlangen.

Worauf muss ich inhaltlich achten?

Ein Zwischenzeugnis ist inhaltlich und formell einem Schlusszeugnis gleichzusetzen. Laut Obligationenrecht enthält es Angaben über die Art und Dauer der Anstellung sowie über Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers. Anders als das Schlusszeugnis ist das Zwischenzeugnis im Präsens formuliert.

Ein typisches Arbeitszeugnis enthält folgende Formulierungen:

Tipp: Achten Sie darauf, dass alle Informationen wahr, korrekt und vollständig sind und das Zeugnis keine zweideutigen Aussagen oder gar Codes enthält. Überprüfen Sie den Inhalt auch auf Rechtschreib- und Grammatikfehler. Der Umfang sollte etwa eine Seite umfassen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich mit dem Zwischenzeugnis inhaltlich nicht zufrieden bin?

Ein Zwischenzeugnis, das nicht Ihren Leistungen entspricht, dürfen Sie nicht akzeptieren. In solch einem Fall sollten Sie unbedingt das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Denn: Ein schlechtes Zwischenzeugnis ist so oder so ein Zeichen dafür, dass etwas am Arbeitsplatz nicht stimmt. Was sind die Gründe für eine allfällig schlechte Beurteilung? Können Sie diese nachvollziehen, oder sind sie aus der Luft gegriffen? Vergleichen Sie das Zwischenzeugnis im Zweifelsfall mit dem letzten Mitarbeitergespräch.

Was ist, wenn mir das Zwischenzeugnis verweigert wird?

Wie oben bereits ausgeführt, ist das Zwischenzeugnis keine Gefälligkeit. Besteht ein berechtigtes Interesse, ist der Arbeitgeber verpflichtet, Ihnen ein Zwischenzeugnis auszustellen. Sie sollten Ihren Vorgesetzten auf Ihre Rechte aufmerksam machen. Suchen Sie zuerst das Gespräch, bevor Sie ihn schriftlich mahnen. Kommt der Arbeitgeber Ihrem Wunsch nicht nach, können Sie beim Arbeitsgericht Klage einreichen. Bedenken Sie dabei: Ein solcher Schritt hat immer Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und sollte daher nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Übrigens: Angaben, in welcher Zeitspanne der Arbeitgeber das Zeugnis aushändigen muss, fehlen im Gesetz. Üblich ist eine Frist von zwei Wochen bis zu maximal zwei Monaten.

Ich möchte den Job wechseln und benötige ein Zwischenzeugnis. Darf mich der Vorgesetzte direkt auf einen möglichen Stellenwechsel ansprechen?

Nach dem Grundsatz des «berechtigten Interesses» müssen Sie damit rechnen, dass Sie der Arbeitgeber nach einer Begründung fragt. Um Nachteile bei der Arbeit zu vermeiden, ist es dennoch ratsam, Ihre Absichten vorerst für sich zu behalten. Astrid Waldispühl, HR-Spezialistin bei Careerplus, rät daher: «Schaffen Sie sich einen Grund, um für ein Zwischenzeugnis zu argumentieren. Versuchen Sie aufzuzeigen, wie sich Ihre Verantwortlichkeiten oder Kompetenzen über die Zeit verändert haben.» Doch keine Sorge, falls es keinen solchen Anlass gibt: Ein Zwischenzeugnis ist nice to have bei der Jobsuche, aber keinesfalls ein Must. Auch ohne entsprechendes Dokument werden Sie bei der Bewerbung nicht benachteiligt.

Weitere Tipps und Vorlagen rund um Ihr Bewerbungsdossier finden Sie hier.

Juni 2018

TAGS

Zeugnis Zwischenzeugnis Beurteilung

Kategorien :
Für Arbeitnehmer