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Die Höhere Berufsbildung in der Schweiz

von Hansueli von Gunten • 9 Oktober 2014

Bei vielen Leuten ist die Höhere Berufsbildung als Aus- und Weiterbildung wenig bekannt. Erst in letzter Zeit wird mehr darüber gesprochen. Dabei werden akademische Abschlüsse bevorzugt. Was steckt dahinter? Wo liegen die Schwächen der Höheren Berufsbildung?

Die Höhere Berufsbildung in der SchweizDie Höhere Berufsbildung in der Schweiz

Jährlich lassen sich rund 27 000 Abschlüsse in der Höheren Berufsbildung in der Schweiz zählen. Dabei gibt es drei Abschlüsse:

Insgesamt 500 Diplombezeichnungen der Höheren Berufsbildung sind eidgenössisch anerkannt. Im Rechnungswesen sind dies:

Die Experten in Rechnungslegung und Controlling absolvieren die eidgenössische Prüfung und werden auch an der Controller Akademie ausgebildet.

Warum die Höhere Berufsbildung wichtig ist

Braucht es denn diese Form von Weiterbildung überhaupt?, fragen Sie sich vielleicht. Auf jeden Fall. Denn auf diese Leute kann die KMU-Wirtschaft nicht verzichten. Sie haben ein grosses praxisorientiertes Wissen, führen die Buchhaltungen, leiten das Rechnungswesen oder das Controlling und bringen die neusten Rechnungslegungsstandards in die Unternehmen.

Die Höhere Berufsbildung steht aber in Konkurrenz zur akademischen Ausbildung. Und kommt dabei oft schlechter weg als die Universität oder die Fachhochschulen. Dabei wären Absolventen der Höheren Berufsbildung für bestimmte Stellen viel besser geeignet als Akademiker. Denn Letztere sind oft nicht praxisgerecht ausgebildet und noch nicht operativ an der Front einsetzbar. Das Problem ist, dass HR-Verantwortliche meist nicht wissen, was hinter der Höheren Berufsbildung steckt. Gerade wenn der Personalchef Akademiker ist und nicht aus der Schweiz stammt, kennt er die Höhere Berufsbildung nicht – was gravierend ist. Denn ein solcher Personalchef bevorzugt Absolventen mit ihm bekannten akademischen Abschlüssen, auch wenn ein Absolvent einer Höheren Berufsbildung passender für die Stelle wäre.

Teuer und ohne Titel

Zum tiefen Bekanntheitsgrad kommen zwei weitere Schwächen der Höheren Berufsbildung dazu: Einerseits ist die Ausbildung teuer. Viele Absolventen finanzieren ihre Ausbildung selber. Die Studiengebühren betragen bei Ausbildungen im Rechnungswesen zwischen 5000 und 9000 Franken pro Jahr. Dazu kommen noch hohe Prüfungsgebühren von 2500 bis 3000 Franken. Zwar übernimmt oft der Arbeitgeber die Kosten oder einen Teil davon, doch der Arbeitnehmer muss sich im Gegenzug zwei bis drei Jahre nach Abschluss beim zahlenden Unternehmen verpflichten. Als Vergleich: Ein Hochschulabgänger bezahlt nicht mehr als 1500 Franken Semestergebühren jährlich. Der zweite Nachteil ist die fehlende Titeläquivalenz. In der Höheren Berufsbildung kennt man keine einheitlichen, übergreifenden Titel, wie dies an den Hochschulen mit Bachelor und Master der Fall ist. Doch gerade in HR-Abteilungen der grossen Firmen werden Leute mit klingenden Titeln stets bevorzugt.

Was ist zu tun? Wie kann die Höhere Berufsbildung aufgewertet werden? Dazu nehme ich in meinem nächsten Blog im November Stellung.

Oktober 2014

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Berufsbildung Weiterbildung Ausbildung Berufsprüfung Fachschulen

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