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10 Fragen an … Beat Wullschleger: «Kalkulierbare Risiken bringen dich weiter»

von Careerplus • 13 Mai 2016

Beat Wullschleger gehört wohl zu den jüngsten Chefs in der Schweiz: Mit erst 32 Jahren übernahm er zusammen mit seinem Bruder Urs den Familienbetrieb Schmidlin AG in Oberarth. Der heute 40-Jährige über seinen Werdegang, Familienbande und den Zusammenhang zwischen Freeriden und dem Geschäftsleben.

Beat Wullschleger beim Freeriden: Kalkulierbare Risiken bringen dich weiterBeat Wullschleger beim Freeriden: Kalkulierbare Risiken bringen dich weiter

Wie stellten Sie sich als Kind Ihre Zukunft vor? Hatten Sie einen Traumberuf?

Ja! In der Primarschule wollte ich Pilot werden. Als ich dann aber ans Gymnasium kam, war für mich klar, dass ich Richtung Ingenieur gehen werde – die Technik interessierte mich. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich schon früh mit unserem Unternehmen in Kontakt gekommen bin. Wobei: Pilot war mehr als nur ein Kindheitstraum. Ich habe die Aufnahmeprüfung für die Piloten-Rekrutenschule gemacht, bei der letzten Stufe bin ich aber durchgefallen. Fürs normale Flugbrevet hätten mir nur noch zehn Flugstunden gefehlt.

Wann und warum kam die Entscheidung, dass Sie und Ihr Bruder das Unternehmen übernehmen?

Das stand nicht von Anfang an fest. Aber es war natürlich immer eine mögliche Option, die ich im Hinterkopf hatte. Auch weil zufälligerweise meine Interessen passten – das war nicht bei allen meinen Geschwistern so. Als uns unsere Eltern fragten, ob wir den Betrieb übernehmen möchten, kam das nur für mich und Urs in Frage. Es war aber klar, dass wir nicht direkt ab Studium einsteigen werden. Ich arbeitete daher zuerst je zwei Jahre bei einem Logistikunternehmen und bei Stadler Rail.

Und 2007 haben Sie mit Ihrem Bruder die Geschäftsführung übernommen. Damals waren Sie erst 32 Jahre alt – das ist sehr jung. Wurden Sie ins kalte Wasser geworfen?

Sagen wir es so: Schweizweit gesehen ist es sicher jung, aber nicht international – im Vergleich zu Mark Zuckerberg von Facebook beispielsweise. Und das Wasser war nicht ganz so kalt, denn wir erhielten viel Unterstützung von unseren Eltern. Ausserdem kannten wir das Unternehmen bereits seit unserer Kindheit, waren also schon sehr vertraut damit. Aber ja: Es war eine sehr intensive Zeit, in der ich viel gelernt habe.

Wurden Sie sofort als neuer Chef akzeptiert?

Ja. Aber natürlich gab es mit dem Wechsel auch gewisse Reibungsflächen, aber alles in allem gab es viel weniger Konflikte, als wir erwartet haben. Unsere Eltern waren sehr offen gegenüber neuen Ideen. Wir hatten wirklich grosses Glück. Es war unserer Familie aber auch immer viel daran gelegen, dass der Wechsel reibungslos verläuft.

Auch Sie arbeiten mit Ihrem Bruder zusammen. Ist das schwierig, wenn sich Familie und Geschäft nicht trennen lassen?

Ich denke, das hat Vor- und Nachteile. Wir sind zwar im Wesen sehr unterschiedlich, aber glücklicherweise grundsätzlich gleicher Meinung, was die Strategie der Wilhelm Schmidlin AG betrifft. Aber klar, manchmal gibt es Diskussionen, die schwierig und im Moment anstrengend sind. Langfristig entstehen so jedoch die besten Lösungen.

Wie stark sind Ihre Eltern heute noch im Unternehmen eingebunden?

Mein Vater starb vor fast sechs Jahren, aber meine Mutter ist immer noch aktiv bei uns tätig: als VR-Präsidentin und in der Lehrlingsausbildung. Es ist uns sehr wichtig, sie mit im Boot zu haben, wir können sehr viel von ihrer grossen Erfahrung profitieren.

Rückblickend: Würden Sie heute etwas anders machen?

Ja, auf jeden Fall! Denn ich habe seit Beginn sehr viel dazugelernt. Im Grossen und Ganzen aber bin ich mit unserem eingeschlagenen Weg zufrieden. Ausserdem: Fehler muss man machen, damit man weiterkommt.

Welche Eigenschaften muss ein guter Chef haben?

Es gibt da wohl ganz unterschiedliche Ansichten. Mein eigener Führungsstil ist kooperativ und zielorientiert. Wie meine Mitarbeiter zum Ziel gelangen, ist mir nicht so wichtig. Mein Bruder ist da etwas anders. Das, was ich vielleicht zu viel an Freiraum gewähre, gewährt mein Bruder zu wenig. (Lacht.) Wir ergänzen uns von daher recht gut.

Sie sind ein leidenschaftlicher Freerider. Gibt es Parallelen zwischen dem Skifahren und der Arbeit als Geschäftsführer?

Ja, ich denke schon. Bei beidem muss man die Risiken abschätzen können. Gewisse Wagnisse muss man eingehen, sie dürfen aber nicht zu gross sein, sondern müssen kalkulierbar bleiben. Ist man dazu nicht imstande, dann wird es beim Freeriden lebensbedrohlich, und im Geschäftsleben kann man grosse Verluste einfahren. Aber: Vermeidet man jegliches Risiko, bleibt man beim Status quo. Kalkulierbare Risiken bringen dich also weiter.

Muss man konsequent seinen eigenen Weg gehen, oder ist es hilfreich, sich an Vorbildern zu orientieren?

Weder noch. Ich habe keine Vorbilder, aber ich glaube auch nicht, dass man nur seinen eigenen Weg gehen darf. Ob man sich von jemandem oder etwas inspirieren lässt, muss man situationsbedingt entscheiden. Wenn beispielsweise etwas in einem anderen KMU gut funktioniert hat, kann man aus diesen Erfahrungen lernen. Man muss offen sein für Inputs. So haben uns auch unsere Eltern immer wieder Tipps gegeben – an die wir zuerst nicht so recht glaubten, die sich dann aber natürlich als richtig erwiesen haben. (Lacht.)

 

Dieses Interview ist der Auftakt zur Serie «10 Fragen an …». Eine Serie über verschiedene Karrieren und Werdegänge, über Umwege und Traumberufe.
 

Beat Wullschleger im InterviewBeat Wullschleger im Interview

Zur Person
Beat Wullschleger hat als Betriebsingenieur an der ETH Zürich abgeschlossen und zudem an der Uni St. Gallen ein MBA in Marketing absolviert. 2007 übernahm er mit seinem Bruder Urs den elterlichen Betrieb. Die Schmidlin AG in Oberarth (SZ) blickt auf eine fast 70-jährige Geschichte zurück. Heute umfasst das Sortiment hochwertige Stahlbadewannen, Duschwannen, Duschflächen und Lavabos; insgesamt sind es mehr als 10 000 verschiedene Modelle und Ausführungen. Das KMU produziert in der Schweiz und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter.
www.schmidlin.ch

 

 

Mai 2016

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