LOGIN

You are here

Zurück zur Übersicht

10 Fragen an … Lukas Meier: «Mein Ziel war immer, mit Freude und Leidenschaft zu arbeiten»

von Careerplus • 9 September 2016

Vom Ein-Mann-Betrieb zur schweizweit renommierten Agentur mit fast hundert Angestellten: «Aroma» ist eine Erfolgsgeschichte – diejenige von Lukas Meier. Daneben ist er auch noch Verbandspräsident, Teilhaber von Gastronomiebetrieben und Vater. Der kreative Kopf spricht über Innovation, über die Kunst, loszulassen, und über die Vereinbarkeit von Familie und Karriere.

10 Fragen an … Lukas Meier: «Mein Ziel war immer, mit Freude und Leidenschaft zu arbeiten»10 Fragen an … Lukas Meier: «Mein Ziel war immer, mit Freude und Leidenschaft zu arbeiten»

Herr Meier, haben Sie Vorbilder?

Daniel Düsentrieb war in meiner Kindheit mein grosses Vorbild. Erfinder – das wäre ich gerne geworden! Ich habe gerne gebastelt, Dinge ausprobiert.

Da war die Ausbildung als Dekorationsgestalter naheliegend. Heute sind Sie Inhaber einer der grössten Agenturen für Events, Messebau und Interior Design. Wie sind Sie dazu gekommen?

Das waren 21 Jahre harte Arbeit. (Lacht.) Im Ernst: Ich blieb immer dran und arbeitete viel. Doch es war nie mein strategischer Plan, eine Firma mit 100 Mitarbeitern zu gründen. Mein Ziel war immer, mit Freude und Leidenschaft zu arbeiten. Der Rest war ein Prozess, Aroma hat sich langsam zu dem entwickelt, was es heute ist.

Aber ein guter Verkäufer sollte man schon sein, oder?

Steckt man diese positive Energie, die Freude und Leidenschaft, in die Arbeit, hat man auch zufriedene Kunden – und daraus entstehen neue Kontakte und Anfragen. Vieles ergibt sich so von selbst. Oft kommen bei uns auch heute noch neue Kunden und Aufträge einfach so herein. Wir haben nicht wirklich eine Sales-Abteilung.

Aroma Hauptsitz in Zürich OerlikonAroma Hauptsitz in Zürich Oerlikon

War die Selbständigkeit schon immer ein Traum von Ihnen?

Ich habe mich zwar mit 23 Jahren selbständig gemacht – aber eher unfreiwillig. Ein damaliger Kunde wollte unbedingt, dass ich seine Schaufenster gestalte. Ich schlug das Angebot dreimal aus, aber er blieb hartnäckig. Irgendwann sagte ich halt zu. Eigentlich wollte ich ja verreisen und hatte ein super Jobangebot … Zu Beginn halfen mir noch meine damaligen Mitbewohner, der grösste Schritt war dann meine erste Mitarbeiterin.

Man muss einen freien Kopf haben, damit man innovativ sein kann."

Was hat es mit dem Namen «Aroma» auf sich?

Die Marke Aroma gibt es seit gut 20 Jahren. Damals brauchte es ein wenig Mut dafür, denn alle anderen Anbieter im Messebereich nannten ihre Firma nach sich selbst wie Habegger oder Messerli. Aber der Name Aroma war ein sehr guter Entscheid, denn so ist das Unternehmen von mir als Person losgelöst. Die Mitarbeiter können sich besser damit identifizieren – und sie sind beim Kunden die wichtigen Personen, nicht der Chef.

Was tun Sie sonst noch für Ihre Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter sind zentral: Denn gute Kunden gewinnt man nur durch eine gute Reputation. Und dafür sind die Mitarbeiter verantwortlich. Aber um Talente zu gewinnen, braucht es wiederum gute Kunden und ein gutes Arbeitsumfeld. Vom Freitagsbier über die Weihnachtsfeier bis zum Teamweekend – das sind alles Elemente, die zusammenschweissen. Aber auch der Umgangston in Sitzungen ist wichtig. Der Lohn ist zwar relevant, aber nicht ausschlaggebend. Als wir vor vier Jahren nach Oerlikon gezogen sind, haben wir eine Kantine gebaut, einen Dachgarten und auch Balkone, die die Mitarbeiter im Sinne von Urban Gardening bepflanzen. Das ist ein schöner Ausgleich und gibt zusätzliche Motivation.

Sie sind ausserdem Präsident des Berufsverbands Polydesign 3D, sind an der Gastronomieszene von Zürich beteiligt und dreifacher Vater. Hat Ihr Tag 48 Stunden?

Es ist eine Frage der Organisation. Ich bin weder Geschäftsführer von Aroma noch der Gastronomiebetriebe. Es geht darum, die Fäden in den Händen zu halten, das Controlling im Griff zu haben. Aus dem operativen Geschäft von Aroma habe ich mich vor einigen Jahren zurückgezogen, um den Adlerblick auf das Geschehen zu gewährleisten. So kann ich Innovation in die Projekte bringen und schauen, dass wir uns strategisch in die richtige Richtung bewegen. Man muss einen freien Kopf haben, damit man innovativ sein kann.

Steckt man positive Energie, die Freude und Leidenschaft, in die Arbeit, hat man auch zufriedene Kunden – und daraus entstehen neue Kontakte und Anfragen. Vieles ergibt sich so von selbst."

War es ein schwieriger Moment, sich aus der operativen Geschäftsführung von Aroma zurückzuziehen?

Ja, das war wahnsinnig schwierig. Ich habe diese Firma als klassischer Patron aufgebaut: Alles musste über meinen Tisch. Es dauerte mehr als fünf Jahre, das zu ändern. Meine Strategie war es, zu verreisen. Zuerst ging ich drei Wochen weg, danach fünf und am Schluss zwei Monate. Wenn man es schafft, zwei Monate lang nicht da zu sein, hat man richtig delegiert. Ausserdem half mir mein zweites Standbein in der Gastronomie. Vor dreizehn Jahren habe ich mich am «Mascotte» beteiligt (Anm.: Zürcher Club). Das Engagement brauchte Zeit, und dadurch musste ich bei Aroma etwas loslassen. Mittlerweile bin ich noch an fünf anderen Gastronomiebetrieben beteiligt in unterschiedlichen Ausprägungen.

Aroma Dachterrasse und Dachgarten für MitarbeitendeAroma Dachterrasse und Dachgarten für Mitarbeitende

Gibt es Synergien zwischen den unterschiedlichen Geschäftsfeldern?

Ja, denn ich kann in andere Betriebe blicken und sehe, was sie für Probleme haben und wie sie diese lösen. Dadurch bin ich nicht so betriebsblind. Wir versuchen, die gegenseitigen Einflüsse zu nutzen. Beispielsweise ist man in der Gastronomie generell administrativ eher schlecht aufgestellt, in der Agentur haben wir dagegen den Hang zur «Überadministration». Darum heisst es jetzt bei Aroma «simplify», und in der Gastronomie läuft das Programm «professional».

Trotz der offensichtlich hohen Arbeitsbelastung bleiben Sie einen Tag pro Woche zu Hause bei Ihren Töchtern?

Es ist sehr hart, das durchzuziehen, denn dieser eine Tag fehlt mir im Geschäft. Aber eben: Es ist alles eine Frage der Organisation. Und es funktioniert, denn die Gesellschaft hat es mittlerweile akzeptiert, dass man sich Zeit für die Familie nimmt. Ein «Schoggitag» ist es aber definitiv nicht, drei Kinder sind anstrengend. (Lacht.) Ein Problem in Bezug auf das Familienleben sind sicher die Abend- und Wochenendtermine. Erstere verschiebe ich einfach auf Mittags- und Kaffeetermine – fast jeden Morgen treffe ich Kunden. Bei den Anlässen selektioniere ich klar, man muss ja nicht überall präsent sein. Denn meine Familie hat Vorrang.

 

Zur Person
Lukas Meier ist Inhaber der Kreativagentur Aroma. Der gelernte Dekorationsgestalter gründete sein Unternehmen 1995, heute gehört Aroma (www.aroma.ch) zu den führenden Agenturen für dreidimensionale Kommunikation und deckt die Bereiche Exhibition, Event, Retail sowie Interior ab. In Zürich-Oerlikon vereint das Unternehmen auf über 5000 m2 rund 90 Mitarbeiter, darunter 9 Lernende. Ausserdem ist Lukas Meier Verbandspräsident von Polydesign 3D (ehemals Dekorationsgestaltung) und Teilhaber diverser Gastronomiebetriebe in Zürich.

 

«10 Fragen an …» – eine Serie über verschiedene Karrieren und Werdegänge, über Umwege und Traumberufe.

 

September 2016

TAGS

10 Fragen Leidenschaft Freude Arbeit

Kategorien :
Für Arbeitnehmer Für Arbeitgeber