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Das neue Rechnungslegungsrecht

von Hansueli von Gunten • 30 Januar 2015

Die Schweiz hat per 1. Januar 2013 ihr Rechnungslegungsrecht erneuert und modernisiert. Nun gilt es ernst, denn die neuen Vorschriften müssen 2015 erstmals angewendet werden. Dazu gab es bereits viele Publikationen und Seminare. Hier in meinem Blog rufe ich die wichtigsten Neuerungen nochmals in Erinnerung.

Hansueli von Gunten bloggt: das neue RechnungslegungsrechtHansueli von Gunten bloggt: das neue Rechnungslegungsrecht

Das neue Rechnungslegungsrecht ist rechtsformneutral ausgestaltet. Die neuen Bestimmungen betreffen alle Unternehmen und sind im 32. Titel des Obligationenrechts enthalten. Die bisherigen Bestimmungen im Aktienrecht wurden gestrichen.

Kategorien und Bestandteile der Berichterstattung

Kleinstunternehmen wie Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit einem Umsatz von weniger als 500 000 Franken sowie Vereine ohne Pflicht zum Handelsregistereintrag und Stiftungen ohne Pflicht zu einer Revisionsstelle müssen nur eine Aufstellung über die Einnahmen, Ausgaben sowie die Vermögenslage machen. Diese wird als «Milchbüchleinrechnung» bezeichnet und von den Fachverbänden wegen grosser Nachteile bezüglich Transparenz nicht empfohlen.

KMU wie Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit einem Umsatz von über 500 000 Franken sowie alle juristischen Personen müssen einen Geschäftsbericht erstellen. Dieser beinhaltet die Jahresrechnung, die sich aus Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang zusammensetzt.

Grössere Unternehmen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind, müssen einen Geschäftsbericht verfassen, bestehend aus Jahresrechnung (Bilanz, Erfolgsrechnung, erweiterter Anhang und Geldflussrechnung) sowie Lagebericht. Letzterer ist allerdings nicht prüfungspflichtig. Zu dieser Gruppe gehören Unternehmen, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zwei der folgenden Kriterien überschreiten: eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Franken, ein Umsatz von mehr als 40 Millionen Franken oder mehr als 250 Vollzeitstellen.

Konzerne müssen eine Konzernrechnung aufstellen, sofern sie diese Grössenkriterien erfüllen. Publikumsgesellschaften, grosse Genossenschaften und ordentlich zu revidierende Stiftungen müssen die Konzernrechnung nach einem anerkannten Standard erstellen.

Die Gliederung der Jahresrechnung

Auf der Aktivseite der Bilanz sind zwei Neuerungen wesentlich: Zu den Vorräten kommen die nicht fakturierten Dienstleistungen hinzu. Nicht mehr erlaubt ist die Aktivierung von Gründungs-, Kapitalerhöhungs- und Organisationskosten.

Beim Eigenkapital lautet die Gliederung neu: Grundkapital, gesetzliche Kapitalreserve, gesetzliche Gewinnreserve und freiwillige Gewinnreserve. Neu sind die eigenen Kapitalanteile, also die eigenen Aktien, ein Minusposten.

Fazit

Der Gesetzgeber hat ein rechtsformunabhängiges Gesetz geschaffen. Ob dieses tatsächlich so modern ist, bleibt umstritten. Willkürliche stille Reserven sind nämlich weiterhin erlaubt. Die Änderungen dürften sich bei den meisten Unternehmen in einem überschaubaren Rahmen bewegen, auch wenn einige Details beachtet werden müssen.

Zur Person

Hansueli von Gunten, lic. rer. pol., dipl. Handelslehrer, ist Geschäftsleiter der Controller Akademie in Zürich und Bern. Er ist erfahrener Referent im Rechnungswesen, insbesondere in der Konzernrechnung, und Mitglied der Prüfungskommission «Höhere Prüfungen für Fachleute im Rechnungswesen und Controlling» sowie Autor von eidgenössischen Prüfungsaufgaben. Von Gunten bloggt regelmässig für Careerplus.

 

Januar 2015

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Rechnungslegungsrecht Änderungen 2015

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Für Arbeitgeber