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Warum Unternehmen von IFRS zu Swiss GAAP FER wechseln

von Hansueli von Gunten • 15 Dezember 2014

Seit 2009 sind es um die 20 Unternehmen in der Schweiz, die ihre Rechnungslegungsstandards gewechselt haben, also von den International Financial Reporting Standards (IFRS) zu den schweizerischen Swiss GAAP FER. Denn die IFRS sind zunehmend unattraktiv für mittelgrosse Schweizer Unternehmen. Aber auch grosse Firmen, wie die Swatch Group, haben zu den Schweizer Rechnungslegungsstandards gewechselt. Welche Gründe stecken dahinter?

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Die Wahl, welchen Rechnungslegungsstandard Unternehmen für die externe Kommunikation anwenden sollen, ist nicht nur eine formelle oder technische Frage. Es ist vielmehr auch eine weitreichende Entscheidung, wie man mit seinen Stakeholdern, also seinen Ansprechgruppen, kommunizieren will. Und das wiederum hängt mit der Grösse, Situation und Ausrichtung des einzelnen Unternehmens zusammen. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, welche Informationen die Investoren, Geldgeber und die Öffentlichkeit verlangen. Internationalität erscheint nicht mehr an erster Stelle, man lässt sich freiwillig als national qualifizieren.

Beweggründe für einen Wechsel

Unternehmen sind oft der Meinung, dass die International Financial Reporting Standards (IFRS) zu komplex geworden sind. Ausserdem verursachen die ständigen Änderungen intern und extern Aufwand und Kosten, die sich nicht mehr mit höherem Nutzen rechtfertigen lassen. Einige der Gesellschaften rechnen mit jährlich wiederkehrenden Einsparungen in der Grössenordnung von einer halben Million Franken. Die Komplexität der IFRS zeigt sich bei der komplizierten Berechnung der nötigen Vorsorgerückstellung. Die Swiss GAAP FER dagegen bieten eine einfache Lösung, die auf dem Abschluss der Schweizer Pensionskassen basiert. Eine andere komplizierte Offenlegung nach IFRS ist die Segmentberichterstattung. Diese kann für ein KMU ein Wettbewerbsnachteil sein, wenn es zu viel offenlegen muss. Eine Erleichterung unter Swiss GAAP FER ist zudem, dass der «Goodwill» direkt mit dem Eigenkapital verrechnet werden kann. Der «Goodwill», der bei der Übernahme einer anderen Unternehmung entsteht, ist eine unbeliebte Grösse in den Bilanzen und wird deshalb bei der Umstellung auf Swiss GAAP FER entsorgt. Dadurch und durch die tiefere Bilanzierung von weiteren immateriellen Werten ist das Eigenkapital in der Bilanz nach Swiss GAAP FER im Durchschnitt um 33 Prozent niedriger als nach IFRS. Dafür weisen die Erfolgsrechnungen der Unternehmen, die auf Swiss GAAP FER umgestellt haben, einen um 22 Prozent höheren Gewinn auf, insbesondere dank tieferen Abschreibungen. Ein weiterer Vorteil der Swiss GAAP FER ist, dass sie eine mehrstufige Erfolgsrechnung mit Ausweis von betrieblichem, betriebsfremdem und ausserordentlichem Ergebnis erlauben. Im Gegensatz dazu verweigern die IFRS ausserordentliche Aufwendungen und Erträge.

Kritik am Wechsel

Die Umstellung der Rechnungslegung von IFRS auf Swiss GAAP FER wird jedoch auch kritisiert. So hat die schweizerische Börsenaufsicht grosse Bedenken punkto Transparenz und Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse von Konzernen unter Swiss GAAP FER. Aber ich denke, dass diese Unternehmen kaum mit negativen Konsequenzen der Investoren und der anderen Informationsadressaten rechnen müssen. Die IFRS müssen sich auch selber hinterfragen, werden sie doch zunehmend als Fehlentwicklung wahrgenommen – obwohl die Einführung der IFRS seinerzeit mit viel Enthusiasmus erfolgte.

Zur Person

Hansueli von Gunten, lic. rer. pol., dipl. Handelslehrer, ist Geschäftsleiter der Controller Akademie in Zürich und Bern. Er ist erfahrener Referent im Rechnungswesen, insbesondere in der Konzernrechnung, und Mitglied der Prüfungskommission «Höhere Prüfungen für Fachleute im Rechnungswesen und Controlling» sowie Autor von eidgenössischen Prüfungsaufgaben. Von Gunten bloggt regelmässig für Careerplus.

 

Dezember 2014

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